Eine Flusswärmepumpe mit 50 Jahren Amortisationszeit soll Ladenburg in die Wärmewende führen. Ein Kommentar über Solidarität, Strom aus der Steckdose und die Kunst, unbequeme Fragen nicht zu stellen.
„Though this be madness, yet there is method in’t.“
William Shakespeare, Hamlet (2. Akt, 2. Szene)
Was Polonius in Shakespeares Hamlet als spöttische Diagnose über den Prinzen von Dänemark anmerkte, lässt sich mit einiger Berechtigung auch auf das jüngste Projekt anwenden, das im Ladenburger Gemeinderat vorgestellt wurde: eine Flusswärmepumpe im Neckar, Gesamtkosten rund 20 Millionen Euro, Amortisationszeit geschätzte 50 Jahre. Gutachter Lesl präsentierte die Studienergebnisse, bezeichnete die ermittelte Jahresarbeitszahl (JAZ) von 3,36 als „gut“ und versuchte, die Bedenken skeptischer Gemeinderäte zu zerstreuen. Die Ergebnisse seien, so Lesl, „erfolgsversprechend“.
Erfolgsversprechend. Das ist ein schönes Wort. Es verspricht Erfolg, ohne ihn zu garantieren. Und genau in dieser semantischen Lücke wohnt das Problem.
Fünfzig Jahre sind eine halbe Ewigkeit
Wer heute 50 Jahre in die Zukunft plant, der plant ins Unbekannte. Vor 50 Jahren gab es kein Internet, keine Smartphones, keine Photovoltaik auf jedem zweiten Dach. Welche Technologien, welche gesellschaftlichen Umbrüche, welche politischen Entwicklungen die nächsten fünf Jahrzehnte bereithalten, kann schlicht niemand vorhersagen. Und trotzdem soll Ladenburg jetzt eine Infrastrukturentscheidung für 20 Millionen Euro treffen, die sich erst in Jahr 2075 amortisiert haben wird – wenn alles nach Plan läuft.
Das ist keine Investition in die Zukunft. Das ist eine Wette auf die Zukunft. Und diese Wette zahlen, wenn sie schiefgeht, die Bürgerinnen und Bürger Ladenburgs – aus ohnehin leeren Kassen einer Gemeinde, die keinen eigenen Stadtwerke-Betrieb besitzt und die Vermarktung des Projekts daher an einen externen Partner abgeben müsste.
Der Strom kommt eben nicht aus der Steckdose – und schon gar nicht grün
Doch die Amortisationsfrage ist noch nicht einmal der größte Schwachpunkt des Projekts. Dieser liegt im Versprechen der Ökologie. Wärmepumpen gelten als klimafreundlich – aber nur dann, wenn der Strom zu ihrem Betrieb auch tatsächlich aus erneuerbaren Quellen stammt.
Im Winter jedoch, wenn Wärmepumpen am meisten gebraucht werden, ist die Sonne weg und der Wind oft schwach. Der dann benötigte Strom wird – das ist keine Schwarzmalerei, sondern Realität – aus Gaskraftwerken oder aus französischen Kernkraftwerken kommen. Rechnet man Wirkungsgrade und Leitungsverluste der Gaskraftwerke mit ein, landet man am Ende bei einem fossilen Brennstoffeinsatz, der sich kaum von dem einer direkten Gasheizung unterscheidet. Die Studie des Gutachters geht auf diesen entscheidenden Punkt – bezeichnenderweise – nicht ein.
Solidarität ist keine Einbahnstraße
Bürgermeister Schmutz hat in der Sitzung zugesichert, dass das Projekt ohne die Akzeptanz der Bürgerschaft nicht verwirklicht werden könne, und eine Beteiligungs- und Informationskampagne angekündigt. Das klingt demokratisch. Doch hinter dem Wort „Solidarität“, das in der Debatte um solche Projekte gerne bemüht wird, verbirgt sich in diesem Fall etwas Unbehagliches: die Erwartung, dass alle Bürgerinnen und Bürger das ökologische Gewissen einiger weniger mitfinanzieren sollen.
Doch Solidarität lässt sich auf viele Weisen buchstabieren. Man könnte zum Beispiel auch solidarisch beschließen, dass sich alle in Ladenburg im Winter etwas wärmer anziehen – Pullover statt Fußbodenheizung auf 22 Grad. Auch das wäre ein gemeinschaftlicher Beitrag zur Energiewende, und dieser hätte den unbestreitbaren Vorteil, nahezu kostenlos zu sein.
Das klingt absurd? Vielleicht. Aber ist es wirklich absurder als eine 20-Millionen-Euro-Investition mit einer Amortisationszeit, die über das Geburtsjahr der heute geborenen Kinder hinausreicht?
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Shakespeare hatte recht: Es gibt durchaus eine Methode in diesem Wahnsinn. Sie heißt: gut gemeinte Absichten, unzureichend hinterfragte Prämissen und die stille Hoffnung, dass sich die Rechnung irgendwie ausgeht – nur eben nicht in den nächsten 50 Jahren. Ladenburg verdient eine ehrlichere Debatte.

