Haus­halts­re­de 2026 der BfL

Thomas Lohmann bei der Rede zum Haushalt 2026

Sehr geehr­te Bür­ge­rin­nen und Bür­ger,
sehr geehr­te Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen des Gemein­de­rats,
sehr geehr­ter Herr Bür­ger­meis­ter,

Haus­halts­re­den sind beson­de­re Reden.

Sie sind ein poli­ti­scher Spie­gel. Da sich mei­ne Vor­red­ner schon mit den Zah­len aus­ein­an­der­ge­setzt haben, möch­te ich des­halb die Auf­merk­sam­keit rich­ten auf die fol­gen­den Fra­gen, die viel mit Demo­kra­tie zu tun haben, und wie wir sie leben oder leben wol­len.

  • Wie kom­men Ent­schei­dun­gen zustan­de?
  • Wer wird betei­ligt?
  • Und wem gegen­über füh­len wir uns eigent­lich ver­pflich­tet?

Es ist Land­tags­wahl in Baden-Würt­tem­berg. In den kom­men­den Wochen wer­den vie­le Reden gehal­ten, die ver­gan­ge­ne Ent­schei­dun­gen loben, ver­meint­li­che Erfol­ge her­aus­stel­len und poli­ti­sche Lini­en bestä­ti­gen. Das ist legi­tim – gera­de in Wahl­zei­ten.

Ich möch­te heu­te einen ande­ren Akzent set­zen. Nicht als Gene­ral­ab­rech­nung, wie wir sie oft im Bun­des­tag sehen. Nicht gegen ein­zel­ne Par­tei­en oder gar gegen Per­so­nen. Son­dern als grund­sätz­li­che Fra­ge an uns alle – Ver­wal­tung, wie Gemein­de­rat, wie Bür­ger.

Wie ernst mei­nen wir es mit Trans­pa­renz und ech­ter Bür­ger­be­tei­li­gung?

Der Haus­halt ist nicht nur das Ergeb­nis poli­ti­scher, demo­kra­ti­scher Ent­schei­dun­gen. Er ist vor allem Aus­druck eines poli­ti­schen, demo­kra­ti­schen Pro­zes­ses. Als Ver­wal­tung und gewähl­te Ver­tre­ter in unse­rer kom­mu­na­len Rea­li­tät erle­ben wir häu­fig ein Span­nungs­feld: Auf der einen Sei­te eine leis­tungs­fä­hi­ge, fach­lich ver­sier­te Ver­wal­tung. Auf der ande­ren Sei­te der Gemein­de­rat – die gewähl­ten Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter des Sou­ve­räns – und der Sou­ve­rän selbst, die Bür­ger Laden­burgs.

Die­ses Zusam­men­spiel ist not­wen­dig und wert­voll. Nur gerät es dort in Schief­la­ge, wo poli­ti­sche Gestal­tung fak­tisch vor­ent­schie­den wird, bevor Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, bevor der Gemein­de­rat ernst­haft ein­ge­bun­den sind. Betei­li­gung darf nicht am Ende einer Ent­schei­dung ste­hen, son­dern am Anfang.

Ich möch­te zunächst auf ein nega­ti­ves Bei­spiel aus dem ver­gan­ge­nen Jahr ein­ge­hen, das mich per­sön­lich, unse­re Wäh­ler­ver­ei­ni­gung Bür­ger für Laden­burg und sicher auch man­chen Gemein­de­rat und Bür­ger der Stadt ver­är­gert hat. Sie ahnen es, es geht um die Sanie­rung unse­res Frei­ba­des.

Nun soll man Kri­tik ja erst äußern, wenn man zunächst auf das Posi­ti­ve ein­ge­gan­gen ist. Dann ist sie leich­ter ver­träg­lich. Nur möch­te ich hier lie­ber auf dem Zeit­strahl, der Zeit­li­nie blei­ben. Das Posi­ti­ve ist neu­er, aktu­el­ler und muss des­halb war­ten. Ich gehe sehr gern – nur spä­ter – dar­auf ein.

Wie war das denn nun mit der Ent­schei­dung zur Frei­bad­sa­nie­rung. Ich will es kurz machen. Ein Pla­nungs­bü­ro wird beauf­tragt und erar­bei­tet drei Vari­an­ten. Preis­wert – Mit­tel – Teu­er. Zwei Vari­an­ten waren aller­dings von Beginn an nicht prak­tisch umsetz­bar, da nicht för­der­fä­hig. Ich per­sön­lich habe kei­nen Schim­mer, wie das pas­sie­ren konn­te. Übrig blieb genau eine Lösung, die von der Ver­wal­tung anschlie­ßend als alter­na­tiv­los dar­ge­stellt wur­de. Unter den gege­be­nen Umstän­den – Stich­wort Zeit­druck – war sie es ja auch. Und so wur­de die gefun­de­ne Lösung der Bür­ger­schaft als fer­ti­ge Ent­schei­dung prä­sen­tiert – nicht als offe­ner Dis­kus­si­ons­pro­zess. Mit­wir­kung? Gestal­tungs­spiel­raum?

Ech­te Aus­wahl? De fac­to: nein.

Die sich anschlie­ßen­de Bür­ger­infor­ma­ti­on zum The­ma Frei­bad­sa­nie­rung mit über
zwei­hun­dert Teil­neh­mern, die, so kam es mir vor, zur Recht­fer­ti­gung die­ser
Vor­ge­hens­wei­se im CBG statt­fand, hat mich zutiefst erschüt­tert. Viel­leicht war der eine
oder ande­re von Ihnen ja zuge­gen und erin­nert sich. In der ers­ten Stun­de erleb­te ich
zunächst einen »Mode­ra­tor«, der die Teil­neh­mer mit sei­nen psy­cho­lo­gi­schen Tricks
ein­schwor. Ähn­lich ging es wei­ter. Das war kein Bei­spiel für Bür­ger­be­tei­li­gung, für
geleb­te Demo­kra­tie in die­sem Land. Das war ein Bei­spiel dafür, wie gut Mani­pu­la­ti­on
funk­tio­niert. Die Betei­lig­ten mögen Grün­de dafür gehabt haben, so vor­zu­ge­hen.
Viel­leicht gab es sogar Zwän­ge. Das möch­te ich gar nicht bewer­ten. Ich möch­te hier nur
schil­dern, was ich in der ers­ten Stun­de der Ver­an­stal­tung emp­fun­den habe.
So ent­steht nur die Illu­si­on von Betei­li­gung – aber nicht Betei­li­gung selbst. Und die­ser
Unter­schied ist ent­schei­dend.

Laden­burgs Haus­hal­te sind Selbst­ver­sor­ger in Sachen Strom

Ein wei­te­res Bei­spiel, wie es nicht sein soll­te. Danach kom­me ich aber garan­tiert zum Posi­ti­ven.
Auf dem Neu­jahrs­emp­fang 2026 wur­de ver­kün­det, Laden­burg sei Selbst­ver­sor­ger in Sachen Strom – bilan­zi­ell. Die Laden­bur­ger Zei­tung zitier­te dar­auf­hin: »2026 wird das ers­te Jahr sein, in dem Laden­burg den Strom­be­darf aller pri­va­ten Haus­hal­te durch erneu­er­ba­re Ener­gien selbst decken kann.« Lei­der falsch. Laden­burg kann maxi­mal 30% des Bedarfs der Haus­hal­te, ver­mut­lich weni­ger, selbst decken mit sei­nen
Solar­an­la­gen. Sie decken viel­mehr im Som­mer öfters den gesam­ten Bedarf, im Früh­jahr und Herbst manch­mal und im Win­ter nie. Und das gilt nur tags­über, denn wir haben hier nur Solar­an­la­gen.

Was das bedeu­tet, sehen Sie in Mann­heim oder Heil­bronn. Zahl­rei­che angeb­lich abge­schal­te­te Koh­le­kraft­wer­ke lau­fen jetzt in die­sem Augen­blick im Dau­er­be­trieb. Wir müs­sen eine Infra­struk­tur auf­recht­erhal­ten, die den gesam­ten Strom­be­darf ohne erneu­er­ba­re Ener­gien erzeu­gen kann. Und das hat einen erheb­li­chen Ein­fluss auf das Kli­ma. Übri­gens benö­ti­gen unse­re Indus­trie­an­la­gen etwa zehn mal soviel elek­tri­sche Ener­gie wie die Haus­hal­te in Deutsch­land.
Ver­ste­hen Sie mich nicht falsch. Auch ich per­sön­lich möch­te, dass wir uns so schnell wie mög­lich von fos­si­len Ener­gie­trä­gern ver­ab­schie­den. Doch was soll es nüt­zen, wenn wir uns mit sol­chen Zah­len­spie­le­rei­en selbst etwas vor­ma­chen. Die Glaub­wür­dig­keit der Poli­tik in Deutsch­land lei­det dar­un­ter. Und auch der Umwelt- und Kli­ma­schutz. Hier sind Rea­li­täts­sinn und Ehr­lich­keit gefragt. Las­sen Sie uns in Sachen Kli­ma­schutz hier in Laden­burg gemein­sam Lösun­gen fin­den, die sich umset­zen las­sen. Rea­li­täts­nah und wis­sens­ba­siert. Die Natur und nach­fol­gen­de Gene­ra­tio­nen wer­den es uns dan­ken.

Nun aber zum Posi­ti­ven

Ich erle­be inzwi­schen immer häu­fi­ger, dass Bür­ger­be­tei­li­gung, Trans­pa­renz und Ent­schei­dungs­frei­heit von der Ver­wal­tung und dem Gemein­de­rat ernst genom­men wer­den. Und das ist gut so.

Haus­halt

Zunächst zum Haus­halt, um den es ja heu­te geht. Die Trans­pa­renz, die Dis­kus­sio­nen und die Offen­heit, in der der Haus­halt 2026 zustan­de gekom­men ist, unter­schei­det sich erheb­lich vom ver­gan­ge­nen Jahr. Und zwar posi­tiv. Dafür möch­te ich aus­drück­lich Dan­ke sagen an die Ver­wal­tung, unse­ren Bür­ger­meis­ter und mei­nen Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen aus dem Gemein­de­rat. Und ganz beson­ders unse­rer Käm­me­rin Frau Rother und Ihrem Team. Der ein­ge­schla­ge­ne Weg ist rich­tig. Offen­heit und Trans­pa­renz haben bereits einen guten Stand.
Was noch fehlt, ist die Ein­bin­dung des Gemein­de­rats in Vor­ent­schei­dun­gen, die zum Haus­halt 2026 allein die Ver­wal­tung getrof­fen hat. Wel­che Pro­jek­te sol­len Vor­rang vor ande­ren haben, was soll im Haus­halts­ent­wurf lan­den. Für den Haus­halt 2026 sind dem Gemein­de­rat die Alter­na­ti­ven nicht bekannt. Wir ken­nen nur das Ergeb­nis. Die Mit­ar­bei­ter der Ver­wal­tung haben die­se Vor­ent­schei­dun­gen getrof­fen – sicher nach bes­tem Wis­sen und Gewis­sen. Den­noch. An die­ser Stel­le soll­te der Gemein­de­rat mehr ein­ge­bun­den sein, um zwi­schen den Alter­na­ti­ven zu wäh­len oder zumin­dest mit­zu­spre­chen. Das ist nicht Auf­ga­be der Ver­wal­tung. Sie soll­te sich dar­auf beschrän­ken, die Mög­lich­kei­ten zu ermit­teln, zu prä­sen­tie­ren und zu erläu­tern. Trotz­dem – Gro­ßes Lob dafür, wie der Haus­halts­ent­wurf 2026 ent­stan­den ist und Wei­ter so.

Neu­ge­stal­tung des ABB-Gelän­des

Bei der Neu­ge­stal­tung des ABB-Gelän­des hat die Bür­ger­be­tei­li­gung bereits einen guten Stand. Sie ken­nen sicher die Online-Umfra­ge, die ganz am Anfang des Pro­zes­ses stand. Es gab über 500 Anre­gun­gen. Sehr gut. Und es wird wei­te­re Betei­li­gungs­mög­lich­kei­ten geben. Ob wir als Bür­ger das bereits als aus­rei­chend
emp­fin­den, wird man sehen. Der Erfolg von Betei­li­gung liegt nicht zuletzt an uns Bür­gern. Des­halb sage ich: Neh­men Sie teil an den Ange­bo­ten. Ihre Mei­nung ist
gefragt, da bin ich mir sicher. Neh­men Sie sich die Zeit. Demo­kra­tie bekommt man nicht geschenkt. Jeder Bür­ger soll­te sich sei­ner Ver­ant­wor­tung dafür bewusst sein. Machen Sie mit. Soviel Mühe ist das nicht.

Ver­kehrs­kon­zept

Und auch das Park- und Fuß­gän­ger­kon­zept geht uns alle an. Betei­li­gen Sie sich, sobald die Ange­bo­te bekannt sind. Sie haben als Bür­ger Laden­burgs Ein­fluss. Kon­kre­tes kann ich Ihnen noch nicht nen­nen. Aber die ers­ten Betei­li­gun­gen wer­den sicher die­ses Jahr ange­bo­ten wer­den.

Betei­li­gung des Gemein­de­rats

So, jetzt plau­de­re ich noch ein wenig aus der Arbeit des Gemein­de­rats. Auch hier klappt die Zusam­men­ar­beit mit der Ver­wal­tung inzwi­schen bes­ser. Das ist zumin­dest mei­ne Wahr­neh­mung. Wir dis­ku­tie­ren bei eini­gen Fra­ge­stel­lun­gen tat­säch­lich ver­schie­de­ne Alter­na­ti­ven, anstatt von der Ver­wal­tung vor­ge­fer­tig­te Lösun­gen prä­sen­tiert zu bekom­men, zu denen man nur noch ja oder nein sagen kann. So macht die Arbeit im Gemein­de­rat Spaß – ger­ne mehr davon.

Schluss­wort

Bür­ger­be­tei­li­gung und ech­te Betei­li­gung des Gemein­de­rats sind kein läs­ti­ger Zusatz. Sie sind kei­ne Ver­zö­ge­rung. Sie ist ein Qua­li­täts­merk­mal guter kom­mu­na­ler Poli­tik. Trans­pa­renz kos­tet Zeit. Betei­li­gung kos­tet Mühe. Aber feh­len­de Trans­pa­renz kos­tet Ver­trau­en. Und die­ses Ver­trau­en ist eine Res­sour­ce, die in kei­nem Haus­halts­ti­tel auf­taucht – aber für unse­re Stadt, für die Bür­ger unse­rer Stadt unbe­zahl­bar ist. Ich wün­sche mir – und dafür steht die Wahl­ver­ei­ni­gung Bür­ger für Laden­burg – dass wir Ent­schei­dun­gen nicht nur gut erklä­ren, son­dern gemein­sam ent­wi­ckeln. Nicht: „Wir haben ent­schie­den, erklärt euch bit­te damit ein­ver­stan­den, denn wir wis­sen es bes­ser als Ihr.“ Son­dern: „Lasst uns gemein­sam ent­schei­den.“

Wenn wir die­sen Anspruch ernst neh­men – und wir sehen, es geht in die­se Rich­tung – wird nicht nur der aktu­el­le Haus­halt, son­dern auch alle zukünf­ti­gen rech­ne­risch soli­de sein und eben auch demo­kra­tisch trag­fä­hig.

Vie­len Dank.

Die­se Haus­halt­re­de wur­de von Dr. Tho­mas Loh­mann in der GR-Sit­zung vom 11. Febru­ar 2026 gehal­ten.

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