Sie haben die Wahl … oder etwa doch nicht?

In Deutsch­land wird der Aus­bau von Ganz­tags­schu­len vor­an­ge­trie­ben, um – so die offi­zi­el­le Begrün­dung – Bil­dungs­chan­cen zu ver­bes­sern und die Ver­ein­bar­keit von Fami­lie und Beruf zu för­dern. Ab 2026 greift ein stu­fen­wei­ser Rechts­an­spruch auf Ganz­tags­be­treu­ung für Grund­schul­kin­der. Bereits heu­te sind über zwei Drit­tel der Schu­len (Stand 2024) ganz­tä­gig orga­ni­siert. Dabei wird zwi­schen der offe­nen Form (frei­wil­li­ge Teil­nah­me) und der gebun­de­nen Form (ver­pflich­ten­de Teil­nah­me) unter­schie­den, die meist an min­des­tens drei Tagen für sie­ben Stun­den inklu­si­ve Mit­tag­essen statt­fin­den.

Bild © www.freepik.com
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Her­aus­for­de­run­gen für Kom­mu­nen und Schul­trä­ger

Alle Kin­der, die ab dem Schul­jahr 2026 /​2027 ein­ge­schult wer­den, haben bun­des­weit einen Rechts­an­spruch auf Ganz­tags­be­treu­ung. Dies stellt Kom­mu­nen vor enor­me Her­aus­for­de­run­gen, da es vie­ler­orts an Plät­zen, Räu­men und Fach­per­so­nal fehlt. In Laden­burg ent­schei­det der Schul­trä­ger (die Stadt) Ende des Monats gemein­sam mit der Schul­kon­fe­renz, wel­che Form ange­bo­ten wer­den soll. Zwar ist die Kom­mu­ne für die Betreu­ungs­an­ge­bo­te zustän­dig, doch die Finan­zie­rung der per­so­nel­len Res­sour­cen – ins­be­son­de­re bei der gebun­de­nen Ganz­tags­schu­le – bleibt lücken­haft. Oft­mals wird auf die Unter­stüt­zung von Ver­ei­nen und Ehren­amt­li­chen gehofft. Doch wer trägt die letzt­end­li­chen Kos­ten, wenn die Schul­kon­fe­renz die­sen Weg beschließt?

Die Kos­ten­fal­le

Die Grund­fi­nan­zie­rung für Per­so­nal und Infra­struk­tur tei­len sich Bund (70 %), Land (15 %) und Kom­mu­ne (15 %). In der Rea­li­tät zah­len Kom­mu­nen jedoch oft deut­lich mehr, da die Pau­scha­len nicht aus­rei­chen. Die­se Finan­zie­rungs­lü­cke wird häu­fig über ein­kom­mens­ab­hän­gi­ge Bei­trä­ge und Essens­gel­der an die Eltern wei­ter­ge­ge­ben.

Päd­ago­gi­sche Abwä­gung: Segen oder Belas­tung?

Ob eine Ganz­tags­schu­le sinn­voll ist, hängt stark vom Cha­rak­ter des Kin­des ab:

Vor­tei­le: Extro­ver­tier­te Kin­der pro­fi­tie­ren von sozia­len Kon­tak­ten; Eltern von Kin­dern mit Lern­schwä­chen erfah­ren eine deut­li­che Ent­las­tung.

Nach­tei­le: Intro­ver­tier­te Kin­der oder Kin­der mit sozia­len Schwie­rig­kei­ten kön­nen durch den Man­gel an Rück­zugs­mög­lich­kei­ten über­for­dert wer­den. Wer außer­halb der Schu­le aktiv ist oder sich ger­ne eigen­stän­dig beschäf­tigt, emp­fin­det den star­ren Zeit­rah­men oft als Ein­schrän­kung.

Die „Pseu­do-Frei­heit“ der Eltern­wahl

Das Eltern­recht ist ein hohes Gut. Theo­re­tisch haben Eltern die Wahl, ob sie ihr Kind für den Ganz­tag anmel­den. In Laden­burg droht die­se Wahl­frei­heit jedoch zur Far­ce zu wer­den: Wenn bei­de Grund­schu­len ab 2026 /​2027 in gebun­de­ne Ganz­tags­schu­len umge­wan­delt wer­den, ent­fällt die Opti­on der Halb­tags­be­schu­lung vor Ort. Ein Aus­wei­chen auf ande­re Schul­be­zir­ke ist zwar laut Schul­ge­setz Baden-Würt­tem­berg (§ 76) als „wich­ti­ger Grund“ mög­lich, bleibt aber eine theo­re­ti­sche Not­lö­sung, wenn alle Schu­len im Umkreis das glei­che Modell fah­ren.

Aus­wir­kun­gen auf Kin­der und Fami­li­en

Ein struk­tu­rier­ter Tag von mor­gens bis spät nach­mit­tags lässt wenig Raum für freie Ent­schei­dun­gen. Die emo­tio­na­le Bin­dung an die Insti­tu­ti­on Schu­le nimmt zu, wäh­rend der direk­te Ein­fluss der Eltern auf die Erzie­hung schwin­det. Zudem besteht die Gefahr, dass die Qua­li­tät lei­det: Län­ge­re Prä­senz­zei­ten für Lehr­kräf­te kön­nen die Unter­richts­vor­be­rei­tung beein­träch­ti­gen; unzu­rei­chen­de Betreu­ungs­schlüs­sel gefähr­den die indi­vi­du­el­le För­de­rung am Nach­mit­tag.

Fazit und Auf­ruf

Die Umstel­lung auf den Ganz­tag kann die Bil­dungs­sche­re ver­schär­fen, statt sie zu schlie­ßen, wenn die Rah­men­be­din­gun­gen nicht stim­men. Aus die­sem Grund haben betrof­fe­ne Eltern in Laden­burg eine Umfra­ge gestar­tet.

Bit­te neh­men Sie Ihr Recht wahr und betei­li­gen Sie sich! Demo­kra­tie lebt vom Mit­ma­chen. Ver­ant­wor­tung lässt sich nicht dele­gie­ren – sie betrifft die Zukunft unse­rer Kin­der.

👉 Hier geht es zur Umfra­ge

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